Reinhart Mlineritsch

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Lebenswelten

4 fotografische Positionen aus Salzburg

Ausstellung in der Städtischen Galerie Traunstein, Deutschland

Foto- und Videoarbeiten von: Elisabeth Wörndl, Hanns Otte, Reinhart Mlineritsch und Andrew Phelps

Kuratorin: Judith Bader

Jänner bis Februar 2008

Einladungskarte

Reinhart Mlineritsch: Schwarzach, 2003

Gelatin Silver Print 47 x 37 cm, matted 70 x 60 cm

 
   

Aus der Eröffnungsrede von Judith Bader, Städtische Galerie Traunstein:

Konnten in Elisabeth Wörndls Fotoarbeiten die Beschleunigung und die Lautstärke als begleitende, wichtige künstlerische, synästhetische Effekte ausgemacht werden, so treffen wir in den Schwarzweißaufnahmen von Reinhart Mlineritsch auf die gegenteilige Wirkung. Hier ist alles still, entschleunigt und bewegungslos. Der bei Elisabeth Wörndl auftauchende Gedanke an ein filmisches Referenzsystem trifft auch für Mlineritsch zu. Nur dass es sich hier nicht um bewegte, laufende und laute Bilder handelt. Ganz im Gegenteil. Mlineritsch führt uns als Betrachter in eine stumme Szenerie ein. Wie ein eingefrorenes Filmstill beinhalten seine Aufnahmen ein Vorher und Nachher und implizieren somit eine im Bild nicht erzählte, gleichwohl unter der sichtbaren Oberfläche suggerierte und wirksame, dramatische Handlung und Geschichte. Die Orte, die Mlineritsch für seine Bilder wählt, sind metaphysisch aufgeladen, mit Bedeutung erfüllt und ein merkwürdiges Geheimnis und Rätsel umgibt die nahezu menschenleeren Schauplätze. Dieses Geheimnis bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen unheimlich und poetisch, zwischen verstörend und kontemplativ. Filmisch inszenierte Lichtverhältnisse und nächtliche Schauplätze verunsichern unseren Blick auf ein eigentlich alltägliches und banales Terrain zusätzlich. Gegenstände, wie ein zufällig abgestelltes Fahrrad auf einer Brücke, erhalten im Lichte von Reinhart Mlineritsch’ Aufnahmen eine bedeutungsschwere, fast surreale und implizit narrative Funktion. Auf der anderen Seite ist unübersehbar seine Faszination für die Formensprache der Moderne zu entdecken. Reinhart Mlineritsch hat ein Auge dafür, wo sich unsere Umwelt auf konkrete Formen wie Quadrate, Kreise, Rechtecke und Zylinder reduzieren lassen. Das klassische Schwarzweiß und der zentralperspektivische Blickwinkel unterstreichen diese Klarheit und Präzision, können jedoch der symbolischen, emblematischen Anreicherung seiner Bilder nichts von ihrem Gewicht nehmen. Dass Orte verknüpft sind mit Erinnerung und Vergangenheit, dass Orte nicht nur geografische Punkte sind, sondern dass sie Ereignisse erinnern und speichern, das wird uns bei den Aufnahmen von Reinhart Mlineritsch deutlich.

 

© Reinhart Mlineritsch