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Reinhart Mlineritsch |
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| RECENSIONS Wie ein Fremder Der Fotoband „Cover of Darkness“ von Reinhart Mlineritsch erschien in der Edition Fotohof im Otto Müller Verlag. Der Band erhielt den Preis für das schönste Buch in der Sparte „Kunst und Fotobuch“. Reinhart Mlineritsch nimmt sich Zeit. Seine Herangehensweise an die Fotografie ist von nachhaltiger Besonnenheit und Achtsamkeit geleitet. Dem fotografischen Abdruck geht ein präzises, gedankliches Konzept voraus, das Homogenität als langfristiges Ziel im Auge hat. Die exzellente fotografische Qualität seiner Aufnahmen, ihre Schärfe und ihren Tonwertumfang, erreicht Mlineritsch durch den Einsatz einer Großbild- mitunter auch einer Mittelformatkamera. Er arbeitet in Schwarz-Weiß. Der Fotoband „Cover of Darkness“ ist nach „Wie ein Fremder“ (1999) und „Velvet Curtain“ (2003) der letzte einer Trilogie. Mlineritsch, der bereits als Kind mit Begeisterung fotografierte, studierte zunächst Wirtschaft. Gleichsam „wie ein Fremder“ nähert er sich ab 1990 der Fotografie-Szene in Salzburg. Er engagiert und beheimatet sich in der Galerie Fotohof, seine Berufstätigkeit behält er bei. Über Jahre hinweg hatte Mlineritsch bewusst Bilder auf seinen Unternehmungen aufgenommen und gesammelt. „Ich mache immer nur ein Bild. Ich selektiere vorher sehr genau. Anschließend, beim Entwickeln der Negative und Positive in der Dunkelkammer suche ich die volle Ausbeute des Bildmaterials zu erreichen“. Mlineritsch schafft für jedes einzelne Bild einen Konnex, der die Aufnahmen verbindet. Ästhetisch oder inhaltlich korrespondieren in „Cover of Darkness“ jeweils zwei gegenüberliegende Bilder miteinander. Verwandte Linien, Formen, Anordnungen, Lichtkulminationen als inszenierte Gegenüberstellungen gelten für alle drei Bände. Auch macht sich Mlineritsch gerne eine vorgefundene Situation so zu nutze, dass sie dem Betrachter eine verborgene, inhärente Dimension eröffnet. Diese Zeichenhaftigkeit ist für ihn charakteristisch, darin zeigt sich sein metaphysisches Anliegen. Eine Szenerie aus „Cover of Darkness“: Grelles, gleißendes Scheinwerferlicht auf einer Skipiste leuchtet einen nächtlichen Wald an, der keilförmige Lichtkegel durchschneidet die unheimliche Schwärze. Spuren von Mensch und Technik im Schnee. Dieser Szene gegenüber, auf schwarzem Grund: weißes, tausendfach schimmerndes, filigranes Astwerk. (Ulrike Guggenberger, 9.April 2008, www.drehpunktkultur.at). Lebenswelten aus eigenwilliger Perspektive Der »Klassiker« unter den Vieren ist mit seinen stillen, fast überscharfen Schwarz-Weiß-Aufnahmen meist menschenleerer Architekturen der 1950 in Wien geborene Reinhart Mlineritsch. Ihm gelingen selbst in Detailaufnahmen von Abfallbergen noch artifizielle Ästhetisierungen, und seine Architekturen - vordergründig Dokumentarfotos wenig spektakulärer Zweckbauten - geraten zu edel kontrastierenden Strukturbildern. So verwundert es kaum, dass sein jüngster Bildband »Cover of Darkness«, aus dem in Traunstein ebenfalls einige Aufnahmen zu sehen sind, jüngst als »Schönstes Buch Österreichs 2007« ausgezeichnet wurde. (Birgit Löffler, Traunsteiner Tagblatt, 2.2.2008). Schimmer im Dunklen Das Fahrrad, das der englische
Fotograf Ian Wiblin Mitte der 1990er Jahre bei starker Dunkelheit
aufgenommen hat, wirkt wie gezeichnet. Unwillkürlich denkt man an den
Fahnenträger von Urs Graf, der 1514 mit weißer Tusche auf dunkel
grundiertem Papier skizziert worden ist. Da wie dort spiegeln die
glatten Flächen aus Metall ein wenig das Licht: Lenker und Teile der
Gabel und des Rahmens beziehungsweise die Fahnenstange und blanke
Stellen der Rüstung. Diese hellen Striche verlangen vom Betrachter,
Relationen herzustellen und den spärlichen Anschein zu einem plastischen
Gebilde zu vervollständigen. Noch in anderer Hinsicht sind solche
Darstellungen In diese Welt des Ungefähren entführt uns der 1950 in Wien geborene und in Salzburg lebende Fotokünstler Reinhart Mlineritsch. Allerdings verwendet er dazu andere Mittel. Denn nicht immer hüllt das Dunkel die Dinge ein und entrückt sie, sondern vielfach sind es bloß einzelne Teile, die im Schatten liegen, oder lediglich Ansichten, die eine düstere Stimmung hervorrufen: Mauern, die vom Verfall zeugen; Brücken, die sich über nicht erkennbare Tiefen wölben; Selbstbildnisse mit melancholischen Zügen; trübe Gewässer; schwarze Wälder; verlassene Plätze; blinde Spiegel; bedrohlich wirkende Landschaften. Die Dunkelheit wird metaphorisch aufgefasst, oder anders: Es ist ein besonderer Blick, der nichts nimmt, wie es scheint, sondern nach den Geheimnissen fahndet, die sich in den Erscheinungen verbergen. Dem Fotografen geht es nicht um Analyse oder Inszenierung, sondern um Aufdeckung, um die Sichtbarmachung eines Anderen, das den Dingen neben ihrer Oberfläche anhängt. Mlineritsch lüftet nicht deren Geheimnisse, sondern lässt sie ihnen; er zeigt auf die kryptischen Momente, aber er benennt sie nicht. Die Fotografie ist ihm ein Mittel der Vorführung des Rätsels im Alltäglichen. Was ihn interessiert, wird ins Zentrum gesetzt, die Kamera geht frontal auf ihre Objekte zu, nur ganz selten werden Fluchten in leichter Diagonale gesehen. Ob aus nächster Nähe oder in einiger Entfernung, alle Einzelheiten sind deutlich zu erkennen, das Unbekannte liegt nicht in unscharfen Konturen, sondern im Verlauf von Hell und Dunkel, in manchen Übergängen, im Dazwischen. Der Ausschnitt begrenzt das Terrain, in dem die Geheimnisse ihren Ausdruck finden. Mlineritsch praktiziert die hohe Kunst der Schwarzweiß-Fotografie, der Verlag hat darauf Wert gelegt, dass die zwischen 1993 und 2006 entstandenen Aufnahmen in ausgezeichnetem Druck wiedergegeben worden sind. Nahezu alle Abbildungen weisen dieselben Maße auf, und das Querformat, in dem die meisten Bilder gehalten sind, verschafft diesen einen festen Stand. Trotz gleicher Form und Ausrichtung kommt – auch bei mehrfacher Durchsicht – niemals Monotonie auf. Die Gegenüberstellungen sind sorgsam gewählt, selten in den Motiven oder deren Gestalt korrespondierend, vielmehr als zwei Ansichten dargeboten, deren gleichgewichtiges Nebeneinander eine Atmosphäre der Ruhe erzeugt und doch eine verhaltene Spannung verrät. Ein ganz wunderbares Buch! Ich stelle es in die Reihe der besonderen Publikationen zeitgenössischer Fotografie, jene Bücher, deren Bilder gleichfalls von der Dämmerung künden, von aufmerksamen und zugleich erstaunten Blicken, von den Zwischentönen, vom Erwachen, wenn alles plötzlich Klarheit erlangt, während die Träume gerade noch präsent sind. (August 2007, © Timm Starl 2007, www.fotokritik.at).
Dunkle Poesie im Blick Für
den alljährlich abgehaltenen Wettbewerb „Die
schönsten
Bücher Österreichs" wurden 2007 an die 200
Bände eingereicht. Eines aus Salzburg schaffte
den Sprung
auf das „Stockerl": Der in der Edition Fotohof
im Otto Müller Verlag erschienene Bildband „Cover of
Darkness" von Reinhart Mlineritsch.
In diesem Bewerb werden
hervorragende Gestaltung
und herstellerische
Qualität
ausgezeichnet, bei „Cover
of Darkness" von Reinhart
Mlineritsch (*1950) müssen
diese Vorzüge auf die Kunst übertragen werden. Denn diese „Nachtbilder",
mit denen er im Schluss-Band einer Trilogie konfrontiert, sind auf
äußerst spannende Weise in hohem Maße
irritierend. Das Vertraute
wirkt durch geringfügige Details fremd, das
nie Gesehene auf einmal bedrängend nah, klar
in allen Strukturen und Texturen. Mlineritsch, der mit hohem
Formbewusstsein klassische
Schwarzweiß-Fotografie macht, filtert aus
der meist menschenleeren Prosa des
Alltags eine dunkel verführerische Poesie. Ein
Beispiel: An einer
nächtlich
erleuchteten, autoleeren Einfallsstraße
steht neben
einem Schild, das einen Vater mit Kind
zeigt, einsam
ein Korbgeflecht-Kinderwagen,
aus dem eine
Wolldecke
hängt. (Hans
Langwallner, Kronenzeitung,
9.2.2008). Meister in Schwarz-Weiß Auch in Zeiten von Megapixel, Photoshop & Co. hat die gute alte analoge Schwarz-Weiß-Fotografie kaum etwas von ihrer Faszination und schon gar nichts von ihrem hohen künstlerischen Stellenwert verloren. Im Gegenteil – je raffinierter die Methoden der elektronischen Bildbearbeitung und –manipulation werden, umso mehr richten Verlage und an Fotografie interessiertes Publikum ihr Augenmerk auf die „puren“, unverfälschten Arbeiten in Schwarz-Weiß. Ein schöner editorischer Zufall ermöglicht anhand aktueller Neuerscheinungen einen spannenden Vergleich der Arbeitsweise zweier wichtiger österreichischer Fotografen. Das Oeuvre von Reinhart Mlineritsch, 1950 in Wien geboren, ist im klassischen Sinne konzeptionell orientiert. Mlineritsch arbeitet ausschließlich analog und mit bewährten Groß- und Mittelformatkameras. Viel Zeit verwendet er auch für die Arbeit in der Dunkelkammer und erreicht solcherart in seinen Bildern fototechnische Feinheiten, welche mit digitaler Bildmanipulation auch heute noch nicht machbar sind. In seinem kürzlich erschienenen Fotoband „Cover of Darkness“ zeigt er die ästhetischen Spuren menschlicher Eingriffe in alpine Naturlandschaften, etwa in Gestalt von Schneekanonen, Lifttrassen und anderer touristischer Versatzstücke im Salzburger Land. Eine ähnlich melancholische Grundstimmung herrscht auch in Mlineritschs Architekturaufnahmen. Seine meist nachts oder bei künstlichem Licht, teilweise mit sehr langen Belichtungszeiten entstandenen Ansichten von Parkhäusern, Autobahnkreuzungen und Industrieanlagen sind menschenleer, kühl und zeigen eine geradezu surreale Seite des zivilisatorischen Fortschritts. Ergänzt wird die Bildauswahl im vorliegenden Buch um eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen und moderne Stillleben aus Österreich, Griechenland und den USA sowie einige Porträts und Selbstinszenierungen, in denen Mlineritsch Bezüge zu fotogeschichtlichen Themen herstellt und auf eigene Weise neu interpretiert. (Bruno Lässer, Vorarlberger Nachrichten vom 12.1.2008). Spezielle Bild-Ästhetik Schwarzweiß-Fotografie hat ihre speziellen Gesetze, um in dieser Art der Bild-Ästhetik ihre volle Wirkung entfalten zu können. Auf dieses spezielle Medium hat sich der aus Wien stammende Fotograf Reinhart Mlineritsch spezialisiert. In der "Edition Fotohof" veröffentlicht er nun den dritten Band einer thematisch grundierten Serie. "Cover of Darkness" suggeriert in seinen Bildern sowohl Hüllendes, Bergendes als auch die Eigenart von Dingen enthüllend. Er macht meisterhaft deutlich, dass auch das Kleine, unwesentlich Erscheinende suggestive Strahlkraft entwickelt, der nachzuspüren es sich lohnt: von Winzigkeiten auf dem Boden bis zu Alltäglichem - wie banaler Zweckarchitektur -, die, in besonderem Licht und in besonderer Perspektive gesehen, zum Faszinosum werden. Kompositorische Arrangements verstärken den Reiz, aufwändige Duoton-Technik die Brillanz. Ein Geschenk für jeden Freund gehobener Licht-Bildnerei. (OÖ Nachrichten vom 23.11.2007, Seite Literatur). Diese Welt in Schwarz-Weiß wird seltsam rätselhaft und fremd. Die Fotos von Reinhart Mlineritsch erzählen Geschichten. Sie sind Momentaufnahmen, die Rätsel aufgeben. Es gibt ein Vorher, das die Welt in diesen Zustand versetzt hat, und es kommt eine Zeit, die sie aus dieser erstarrten Gegenwart wieder hinausführt. Eine unheimliche Ruhe liegt über den Bildern, eine Ruhe, die nichts Gutes verheißt. Der Zwischenzustand, in dem sich die Welt noch nicht in einer stabilen Dauerhaftigkeit eingerichtet hat, ist die eigentliche Mlineritsch-Wirklichkeit. Dazu gehört, dass er uns seine Realität schwarz-weiß zeigt. Damit rückt sie etwas weiter weg von uns, wird seltsam fremd. Die Kontraste treten stärker zutage, das Licht und die Finsternis führen einen beständigen Kampf. Dieser Konflikt ist nur ein erster Hinweis auf das, was sich sonst an Dramen abspielt. Ein Puppenwagen steht auf einer nächtlichen Straße, eine Wolldecke hängt heraus, kein Mensch weit und breit, nirgends ein Auto. Ein Verkehrsschild zeigt einen Mann, der ein Kind an der Hand führt, ein Allerweltsschild eigentlich. Jetzt aber bekommt es eine unangenehme Bedeutung. Was ist geschehen, wie kommt der Puppenwagen in diese Gegend, wo er ganz und gar nicht hinpasst? Mlineritsch kommentiert seine Bilder nicht. „Salzburg, 1993" ist der einzige Hinweis zur Klärung des Sachverhalts. Etwas ist geschehen, etwas folgt daraus. Diese Fotos sind Dokumente einer eingefrorenen Zeit. Sie sind kühl und abweisend, bannen aber den Blick. Mit diesen Bildern im Kopf geht man in Zukunft etwas vorsichtiger vors Haus. (ath, Salzburger Nachrichten, 29.September 2007). Dunkel ist die Decke, aber darunter liegt keiner mehr Wer sich nicht vorzustellen vermag, wie die Welt aussehen wird, wenn der Mensch sie verlassen haben wird, dem kann der österreichische Fotograf Reinhart Mlineritsch Nachhilfe erteilen. Der Mensch war auf seinen Bildern da (und, um ehrlich zu sein: manchmal ist er es immer noch), hat sich in Mauern, Brücken, Straßen und Bahnhöfen manifestiert. Doch nun ist er fort – und im Augenblick seines Verschwindens müssen die von ihm hergestellten Dinge, auch und gerade die großen, mächtigen, ihren Weg zurück in die Natur angetreten haben. Reinhart Mlineritsch ist ein Fachmann für dieses Umschlagen, und seine große Spezialität besteht darin, ihn kurz nach dem Ereignis selbst festzuhalten, so dass man die vergangene Anwesenheit des Menschen immer noch spürt – was vor allem ein Effekt der Zentralperspektive ist, mit der dieser Fotograf äußerst offensiv umgeht. Gut hundert Bilder in Schwarz-weiß enthält der Band „Cover of Darkness”, und so schön sie sind – ein wenig unheimlich sind sie auch. (Süddeutsche Zeitung, 10. August 2007). Wenn der Mensch verschwindet Wenn man die Fotos von Reinhart Mlineritsch betrachtet, kommt man leicht ins Träumen. Wie Nachtgesichte kommen sie einem häufig vor, wie Ausschnittvergrößerungen einer vorbewussten Wirklichkeit, wie wir sie gemeinhin nur im Schlafe schauen. Dabei sind die Gegenstände auf den Bildern immer erkennbar und auch ganz real. Aber ob es nun am Fehlen von Menschen auf seinen Kompositionen liegt oder an einem seltsamen Ferngerücktsein durch Überhöhung und Isolierung von Details: Immer weiten sich seine Ansichten ins Surreale. Blätter und Bäume, Strand oder Wald, verlassene Straßen und Räume - sie wirken immer wie mit einer besonderen Bedeutung aufgeladen, wie Gedächtnisorte, symbolschwer und zeichenhaft. Man kommt sofort ins Meditieren, es wird einem kontemplativ zumute, wenn man in diesem Bildband blättert, obgleich vieles auch wirkt wie eine Bühnenansicht, was auch an der oftmals gewählten Guckkastensymmetrie liegt. Mlineritsch wurde 1950 in Wien geboren, aber wie bei vielen Großstädtern scheint es auch bei ihm eher die Natur, der verlassene Landstrich zu sein, die seine Phantasie ansprechen. Aber gerade dieser Widerspruch kommt seinen hochkünstlerischen Arbeiten zugute: Noch der verlorenste Winkel ist bei Mlineritsch nämlich aufgeladen mit Dramatik. Nie gibt es Stillstand, immer ist auf den Bildern etwas los beziehungsweise man spürt den Nachhall erst kürzlich vergangener bedeutsamer Ereignisse. Vielleicht wird man daher auch so sehr an seine Träume erinnert. Auch diese bleiben einem ja nur im Gedächtnis, wenn sie ereignisreich waren. Nur wissen wir eben leider oft nicht mehr, um was für ein Ereignis es sich eigentlich gehandelt hat. Keine Frage: Es ist viel Geheimnis in Mlineritsch Dunkelheiten. (Tilman Krause, Die Welt, 14. Juli 2007). Schwarz-Weiß und doch andersNur wenige Tage (bis 23.6.) zeigt die Galerie Fotohof Bilder aus dem neuen Fotoband "Cover of Darkness" des Salzburger Fotografen Reinhart Mlineritsch.Der Friedhof erweist sich erst auf den zweiten Blick als verlassener Gastgarten, Tischplatten und Sitzflächen der Bänke sind abmontiert, nur die Betonfüße ragen T-förmig in die Luft. Vieler zweiter, manchmal dritter Blicke bedarf es bei den Schwarz-Weiß-Fotos von Reinhard Mlineritsch. Die Eishöhle ist eine Unterführung, die hundertmal benutzte Tiefgarage hat man auch ganz anders in Erinnerung. Fast schockierend die Serie von Selbstporträts, erst der direkte Vergleich mit dem anwesenden Künstler macht sicher. Zwar hat Reinhard Mlineritsch sein prinzipielles Herangehen an die Fotografie nicht geändert, der abschließende Band seiner Trilogie ist trotzdem für einige Überraschungen gut. Waren Menschen bisher in erster Linie über die Spuren präsent, die sie auf der Welt hinterlassen, bietet "Cover of Darkness" verschiedene Porträts, die das feine Gespür für Kontraste ebenso beweisen wie die Bilder von Ruinen, Baustellen und Landschaften. Jedes Motiv ist für sich präzise in Szene gesetzt und überzeugt (Michael Russ, www.drehpunktkultur.at, 22.4.2007). Pictures of the world are not always pictures of the overall visible world. They speak of the hidden things, overlooked situations, the edges of the existence, of this inconspicuous way of life. Reinhart Mlineritsch is a photographer with love for this inconspicuousness; he discovers the unspectacular views, the half-dead stepped grass, the unattractive ponds. The architectures, that he is interested in, are not "buildings", but those that somehow became buildings without Intention: underpasses, abandoned houses, building sites with their lumps of waste material and the attractive views of material lying around on the grounds. He gives meaning to these "un-places" by discovering them for his photographs; he extracts them from anonymity and gives them revaluation, by seeing "dignity" in them and making them worthy for being pictured. He searches the bushes beside the roads and gives the structures of plants their own flair. In his strict black-and-white contrasts, he examines the edges of waters and outflows for sharp graphic elements and laminar grey tones; he gives dynamism and tension to the boredom of a stubble-field or a stockpile by making it rhythmic in horizontal surfaces with diagonal slopes. This view into the world of the small and hidden usually turns out as a series of still-lives. His world is deserted and quiet. His places remain unchanged since eternal times, as if they work against time. Sudden events don't fit them and they seem unaffected by the changes of a fast living society. His compositions are minutely calculated and intimately composed; he leaves nothing to coincidence or to momentary effects. And his habit to work straight through the night in his darkroom has become legendary: no prints, that he hasn't developed personally, controlled several times, if necessary, improved some marks and finally increased perfectly, leave his Studio. Born in 1950 in Vienna/Austria the photographer approached photography as an autodidact and quietly created a convincing photographic oeuvre over the past 20 years. He feels obligated to a classical traditional type of documentary photography; for him it represents the counterweight to a flood of digital pictures and to a loud Propaganda of new technologies. (Margit Zuckriegl, IZ-Magazine No. 4 2006, Istanbul, Turkey). Die Kunst des zweiten Blicks: Neue Fotografien von Reinhart MlineritschEs
liegt im Wesen der Fotografie, daß sie den abgebildeten Ausschnitt der
Welt isoliert, ihn aus dem Zusammenhang einer Landschaft, eines
architektonischen Ensembles, eines Ereignisses reißt. Doch fügt sie
ihre Bilder auch wieder in neue Kontexte ein. Der Betrachter nimmt ein
Foto stets in einem Rahmen wahr – dem einer Ausstellung, eines
Werbetextes oder, wie das obige Foto, einer Zeitungsseite – und macht
ihn so zu einem Mosaikstein in einem größeren Ganzen, das der
Photograf nicht kannte. Unser Foto trägt als Titel nur
Entstehungszeit und Ort: „Trimmelkam, Oberösterreich, Austria,
2000“. Was zeigt es? Eine offenbar natürlich entstandene Struktur,
eingeschlossene Luftblasen auf einer Eisfläche. Doch wie kann man sich
die Licht-und-Schatten-Spiele dahinter erklären? Also doch eine - künstliche
- Glaskonstruktion oder vielleicht beides: Eis auf einer Glasoberfläche?
Solche Uneindeutigkeiten finden sich zahlreich im Werk des in Salzburg
lebenden Fotokünstlers Reinhart Mlineritsch. Seine Motive sind vielfältig:
Landschaftsaufnahmen finden sich ebenso wie Industrie- und
Architekturfotografien, Naturstudien in extremer Nahaufnahme und
verfremdete Detailstudien von Alltagsgegenständen. Doch was beim flüchtigen
Hinschauen etüdenhaft und willkürlich scheint, offenbart auf den
zweiten, fast bei jedem Bild nötigen Blick eine paradoxe Ästhetik:
Gerade durch allergrößte Schärfe und Kontrastreichtum fällt der
Gegenstand einer optischen Unschärferelation anheim. Die hügelige
Landschaft aus der Vogelperspektive ist tatsächlich eine ausgelegte
Kunststoffolie (oder eher eine erstarrte Lackoberfläche?); transparente
Müllsäcke erscheinen als Gesteinsformationen. In Analogie zu den stets leicht kommerzialisierbaren „Naturwundern“ – in einigen wunderbar ausgeleuchteten Aufnahmen von Höhlen und Grotten auch vertreten – müßte man bei Mlineritsch von „Kultur“ – oder besser noch „Zivilisationswundern“ sprechen: In geometrischen Mustern schillernde Plastikfolien, Baggerspuren in einer riesigen Baugrube, vegetativ wuchernde Kabelenden, Schläuche, Kettenglieder – was dem normalen, immer noch der Romantik verhafteten Blick als häßlich, als Verschandelung der Natur erscheinen muß, wird unter einer artifiziellen Schattenregie zum abstrakten Kunstwerk. In der direkten Gegenüberstellung von organisch Gewachsenem und Gemachtem – etwas von Eiszapfen-Stalaktiten und einem Wald aus Stützpfeilern im Rohbau – wird die Grenze zwischen Welt und Werk selbst zum Thema des Bildes. Mlineritsch zeigt, daß der Begriff einer Natur, die die Schönheit immer schon auf ihrer Seite hat, Folge einer Normierung der Wahrnehmung ist. Oder, in einer Urformel der Ästhetik: daß ein gelungenes Kunstwerk so zwingend wie die Natur selbst erscheint. (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Dezember 2003). Wo nichts mehr wächst, ist es auch schön Auf der Such nach Trost: Fotografien des höchst bemerkenswerten Autodidakten Reinhart Mlineritsch in der Galerie Pernkopf Es müssen keine bedeutenden Gegenstände sein, die einer Fotografie Wert verleihen. So wie Dichter die Blumen am Wegesrand besingen, so kann das Auge des Fotografen mit forschendem Interesse auf den fahlen Sträuchern zwischen wild gelagertem Müll oder den letzten Grashalmen unter einer Brücke ruhen. Die Natur ist unermüdlich, wie arg sie auch der ebenfalls unermüdliche Mensch malträtiert. Dafür hat der österreichische Fotograf Reinhart Mlineritsch einen genauen Blick. Seit Jahren wandert er, wenn es seine Zeit erlaubt, durch Feld und Flur in der Heimat, Griechenland und Amerika, und gerade da, wo man normalerweise gar nicht erst aus dem Auto steigen würde, an trüben Tümpeln, auf Wiesen mit abgekipptem Bauschutt oder in trostlos baumfreien Landschaften, wird sein Interesse hellwach. Doch während Umweltschützer die Verwüstung der natürlichen Umwelt laut beklagen, verliebt sich der Salzburger in den zähen Trotz der Pflanzen. Oder auch in die Schönheit weggeworfener Produkte. Zum einen bannt er vorgefundene Sinnbilder wie die in einem weggeworfenen Autoreifen gewachsene Pflanzengemeinschaft oder den spärlichen Bewuchs am Rand irgendwelcher Betonpfeiler. Zum anderen entdeckt Mlineritsch auch da noch Schönes, wo nichts mehr wächst: in herumliegenden Rohren, aufgeschnittenen Kabeln, im Faltenwurf weggetaner Gummistreifen oder auf der schwarzen Folie, die über Erde gespannt ist. Daß er an einem vom Wetter oder von Insekten zerfressenen, noch standhaft im Wind schaukelndem Blatt nicht achtlos vorbeigehen kann, versteht sich dann beinahe wie von selbst. Wer Wut über den Tag für Tag in der Natur angerichteten Schaden loswerden will, dürfte grelle Kontraste ausmalen, wer aber still trauert und sich an schönen Aspekten erfreut, wird zum Schwarzweißfilm greifen. Mlineritsch späht überall nach den von der Natur gebildeten Hell-Dunkel-Kontrasten, denen er in der Dunkelkammer zu magischer Intensität verhilft. Der Titel "Letzte Chance", der über seinem Hauptwerk steht, meint somit nicht allein die biologischen Kräfte, die sich nicht ersticken lassen, sondern auch die Schönheit, die mitten im Häßlichen aufleuchten kann, wenn man nur richtig hinzuschauen versteht. Mit der gut dreißig Arbeiten umfassenden Auswahl stellt die Galerie Pernkopf, die vielleicht gerade der österreichischen Fotografie den Weg nach Berlin bahnen könnte, einen höchst bemerkenswerten Autodidakten vor. Mlineritsch, Jahrgang 1950, ist hauptberuflich in der Privatwirtschaft tätig, hat sich jedoch durch seinen eigenwilligen wie einleuchtenden Blickwinkel als Fotokünstler einen Namen gemacht. Schon liegt ein umfangreicher Bildband vor, der ihn von verschiedenen Seiten vorstellt. Mehr noch als in der klug komponierten Ausstellung zeigt sich darin, daß er - was eher ein Vorzug ist - an seinem Stil arbeitet. Er reibt sich an der Zivilisation, wie auch die nicht so eigenständigen Architekturfotos beweisen, und sucht Trostpunkte um nicht dem Pessimismus zu verfallen. Im Interesse am Morbiden kann man leicht ein zutiefst österreichisches Motiv erkennen. Die mal in weiter Perspektive, vorzugsweise aber auch aus der Nähe betrachtete Landschaft wird zum Ort resignierender, aber klarsichtiger Freude. Im schrägen Abendlicht oder in der Morgensonne auf Ithaka fand Reinhart Mlineritsch in einer breiten Reifenspur im Sand wieder einmal ein malerisches Zeichen, das man so schnell nicht vergißt. hell leuchtend die eine, in Dunkel gehüllt die andere Seite dieses Stückchens Erde. Was immer der Mensch tut, er hinterläßt ein Zeugnis seines Seins. Darin kann die Fotografie, die sich dem Leben anvertraut, statt es inszenieren zu wollen, ihren Urstoff finden. (Hans Jörg Rother, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Berlin, 18.4.2002) Photoarbeiten 1990-2001 Der österreichische Fotograf Reinhart Mlineritsch, der gerade in der Galerie Johannes Faber in Wien in einer Ausstellung (zusammen mit Walker Evans!) gezeigt worden ist, führt uns mit seinen Fotografien aus den Jahren 1990-2001 in die Welt der Natur - und zeigt uns dabei immer wieder auch das, was inzwischen daraus geworden ist. Wobei sein Blick nicht anklagend ist, eher beschreibend, und manchmal auch melancholisch-tiefgründig-verklärend. Man muss halt die Welt auch nehmen, wie sie nun einmal ist, aber auch Plastikmüll im Wasser oder Betonpfeiler mit einer Autobahn in der Landschaft haben ihre Schönheit, oder bekommen sie von Mlineritsch verliehen. ...Die Fotos von Mlineritsch, Jahrgang 1950, sind vor allem im Land Salzburg, einige auch in Griechenland und in Amerika aufgenommen worden. Er ist zum ersten Mal in Berlin bzw. Deutschland zu sehen, eine Ausstellung in den USA ist für nächstes Jahr vereinbart. Von ihm liegt auch ein Bildband vor: "Wie ein Fremder", erschienen 1999 in der Edition Fotohof im Otto Müller Verlag in Salzburg. (brennpunkt, Magazin für Fotografie 2/2002). Mondsee, Höribachhof: Foto und Holz Ein Jahr lang fotografierte Reinhart Mlineritsch in der Landschaft rund um den Mondsee, in der neuen Ausstellung des Höribachhofes in St. Lorenz ist ein kleiner Teil davon zu sehen. Zudem zeigt Alois Lindenbauer Objekte mit Holz. Seine Fotografien sind von Klarheit, Tiefe und Brillanz geprägt. Reinhart Mlineritsch, 1950 in Wien geboren und seit 1979 in Salzburg, interessieren gleichermaßen Strukturen der Natur und der Landschaft wie deren Veränderungen durch die Zivilisation. Mlineritschs Fotografie fordert mehr heraus als bloß dokumentarischen Nachvollzug. (Kronen Zeitung, 15.8.2001). Bilder der Perfektion und der Zerstörung Reinhart Mlineritsch ist in minutiös komponierten Fotos der Schönheit der Natur auf der Spur. Und dem Hang des Menschen zur Destruktion. Von Gisela Bartens Das Faszinierende an den minutiös komponierten, technisch perfekten Schwarzweiß-Fotografien von Reinhart Mlineritsch ist, dass sie sich dem Betrachter in ihrem statisch angelegten So-Sein zunächst unaufdringlich zu entziehen scheinen. Was sollte schon hinter dieser Perfektion zu entdecken sein?In weiterer Folge provozieren sie aber gerade dadurch Aufmerksamkeit. Stacheln an zum genauen beobachten und dieses nähere Betrachten stachelt wiederum den Wunsch an, die atmosphärischen Bilder in ihrer sich letztlich jeder eindimensionalen Festlegung entziehenden Qualität zu entschlüsseln. Unter dem mehrdeutigen Gesamttitel "Wie ein Fremder" zeigt der 1950 in Wien geborene Salzburger Fotograf Arbeiten der Jahre von 1992 bis 1996. Es sind Bildfolgen, die sich sowohl der Natur in ihrem gewachsenen Sein widmen, sich aber auch der (meist leider zerstörerischen) Eingriffe in diese annehmen. Die Serientitel - etwa "Pflanzen", "Bodenschätze", "Plastik" - deuten die Bandbreite der Motive, die Mlineritsch geduldig erforscht, an. Reinhart Mlineritschs Bilder sind, wie gesagt, die Feier von Schöpfungssensationen. Und sie sind kritische Bestandsaufnahme. Konkret auch einer Wohn- und Industriearchitektur (Serie "Architektur"), die dem Menschen als Wohn- oder Arbeitsstätten eigentlich dienen sollte, ihn aber sich selbst ebenso wie jeder Gemeinschaft entfremden kann. So gesehen, ist es folgerichtig, dass der Mensch in den Fotografien kaum, höchstens als isolierte Einzelfigur anwesend ist. Die Überschrift von Bildern aus dem Mittelwesten der USA ist ironisches Programm: "Last Chance". Das Rasthaus zur letzten Chance - wie viele mag es geben davon im ehemaligen Wilden Westen? - , steht als Warnung im Raum, vermittelt aber auch Hoffnung. Reinhart Mlineritsch. Fotogalerie im Retzhof bei Leibnitz. Bis 24. Jänner. Das Buch zur Ausstellung "Wie ein Fremder" ist in der Edition Fotohof erschienen. (Kleine Zeitung, 9.1.2001). Poetische schwarz-weiße Foto-Zeugnisse der Schönheit von konstruktiven Strukturen in Natur und Architektur Was laut einleitendem Essay von G. Amanshauser den antiken Griechen fehlgeschlagen ist, ist R. Mlineritsch in seinen Schwarz-Weiß-Fotos gelungen: dem aufblitzenden Schönen Ewigkeit zu verleihen. Wie ein Fremder geht der Fotograf auf Alltäglichkeiten zu und fördert durch das Herausheben des Kleinen, durch Sichtbarmachen von bizarren Formen poetische, aussagekräftige Schönheit zutage, die Aufmerksamkeit erzwingt. Unberührte Natur, wie sie sich in Gräsern, Zweigen und Blättern, in Steinen oder Wasser zeigt, Eingriffe des Menschen in seine Umwelt in Bergwerken und genuin menschliche Errungenschaften wie Plastik oder Architektur sind die "Rohstoffe" für eindringliche, meditative Blick-Punkte. Für die "intensive Zeit", wie M. Zuckriegl in ihren philosophischen Nachbemerkungen zum Wesen der Zeit und dem zwiespältigen Verhältnis Mensch - Natur den fotografischen Kunstwerken attestiert. Ein besinnlicher Genuss. (Christiana Ulz, Rezension des Österreichischen BibliotheksWerks). Kürzlich erschien in der Edition
Fotohof der Bildband „Wie ein Fremder“ des Photokünstlers Reinhart
Mlineritsch. Die Bildserien mit eigenwilliger Sicht auf Natur und Menschenwerk
sind bis Ende Mai im Salzburg Airport ausgestellt. Die im 1. Stock des
Flughafengebäudes eingerichtete Galerie bietet in der Achse vom Tower zum
Gipfel des Untersberges an sich schon ein Beispiel für die Konfrontation des
modernen Lebens mit den Urkräften, die unseren Planeten gestaltet haben.
Reinhart Mlineritsch zielt in die gleiche Richtung. „Last Chance“ im
amerikanischen Mittelwesten weist auf das Stadium hin, dass ein ödes, für
industrielle Zwecke genütztes Gelände von der Natur vereinnahmt wird. Ein Silo
und Holzhäuser spielen kaum eine Rolle; karge Vegetation und ein trüber Himmel
beherrschen das Bild. In der Serie „Bodenschätze“ wird der Gedankengang über
Natur und menschlichen Eingriff erweitert. Winzig nehmen sich eine Förderanlage
und Traktoren in den Wellen des sandigen Bodens aus. Ein Tunnel und
Stahlkonstruktionen im Schacht erscheinen gering gegenüber dem gewaltigen
Gestein im Berg. Ganz aus der Nähe betrachtet Reinhart Mlineritsch
„Pflanzen“, die Struktur von Blüten und Blättern. Er dringt durch dichtes
Gestrüpp und entdeckt in Wiese und Wald wunderbare Ornamente. Die Störung
durch „Plastik“ und anderen Abfall gehört zu den mit der Kamera
unerbittlich anvisierten Konfliktstoffen. Den Begriff „Versunken“ deutet
Mlineritsch in der Spiegelung im Wasser, mit im Schnee versinkendem Wald. Zu den
Schwarz-Weiß-Aufnahmen ohne Titel ist nur der Ort des Motivs angegeben. Frei
bleibt die Assoziation zur eigenen Erfahrung, der Spielraum, in veränderter
Sichtweise über ein anderes Weltbild nachzudenken. (Salzburger Volksblatt,
10.4.2000).
Wie ein Fremder Nach dem Betrachten der Fotos von
Reinhart Mlineritsch ist die Welt nicht mehr wie sie vorher war. Soviel ist
sicher. Was macht den Künstler nun so einzigartig. Es ist seine eindrucksvolle
Fähigkeit, selbst den Verfall zu poetisieren. Auf dem einen Foto glauben Sie
Gold zu sehen - es ist aber nur Schlamm. Achtlos weggeworfene Autoreifen wirken
plötzlich ästhetisch. Nicht dass der Künstler dazu auffordern möchte ihm
Motive für seine Arbeit zu liefern. Er begleitet, dokumentiert und drängt
nicht den Menschen in den Vordergrund. Es sind die Veränderungen durch den
Menschen, die er festhält. Mit manchmal derart archaischen Bildern, dass dem
Betrachter der Atem stockt. Achtlos im Wald liegende Betonringe wirken antik,
ein kleines Pflanzerl erstrahlt auf dem Foto wie eine wunderschöne Orchidee. So
ist es auch die Perfektion, die ihn antreibt. Hier wird nicht geknipst,
entwickelt und aufgehängt. Seine Kunstwerke entstehen in stundenlanger Arbeit.
Sein künstlerisches Schaffen setzt sich dann in der Dunkelkammer fort. ,,Das
Entwickeln ist wie Malen" erzählt Mlineritsch. Und wer seine Arbeiten
sieht, der glaubt es... (Salzburger Nachrichten, 29.3.2000). Badische Zeitung Wie schön auch Hässliches sein kann:
Der Salzburger Fotograf Reinhart Mlineritsch sieht die Welt mit den Augen eines
Fremden und stolpert dabei über gewöhnliche Dinge, die sonst keinem Fotografen
einen Film wert wären. Sein Bildband „Wie ein Fremder“ ist im Salzburger
Otto Müller Verlag erschienen. (Badische Zeitung, 8.1.2000). Welt als Geheimnis Ob er die Klassiker kennt, wissen wir nicht. Ob er Lee Friedlanders ,,Factory Valleys" gesehen und studiert oder Imogen Cunninghams Blumenstills verinnerlicht hat, ob ihm Namen wie Evans oder Strand oder Alfred Ehrhardt etwas sagen, muss als Frage offen bleiben. Der dürftige Klappentext weiß lediglich zu berichten, dass Reinhart Mlineritsch 1950 in Wien geboren wurde, in Salzburg lebt, hauptberuflich in der Industrie tätig ist und sich - quasi nach Feierabend - am Salzburg College fotografisch fortgebildet hat. Dass er hier mit den Großen der Fotografie Bekanntschaft gemacht hat, dürfen wir vermuten. Die Bildbeispiele in dem exzellent gedruckten Band sprechen jedenfalls dafür. Womit nicht gesagt sein soll, dass Mlineritsch sich lediglich bei Vorbildern verschiedenster Couleur bedienen würde, fernöstliche Kamerameister mit ihrer meditativen Low-key-Ästhetik eingeschlossen. Mlineritsch, kein Zweifel, hat gelernt. Aber erweiß das Gelernte in eigene und durchaus originelle Bilder umzuschlüsseln. lndustrieanlagen, aber auch unberührte Gebirgsformationen, Flusslandschaften, aber auch Fabrikhallen, Pflanzenstudien oder lnterieurs - so ließen sich die Sujets des Österreichers definieren. In handwerklich makellosen Studien nähert er sich dem Unberührten und Geformten, dem Statischen und dem Bewegten. Mal geht er dicht heran, mal zieht er die Totale vor. Dass die durchweg schwarzweißen Aufnahmen in dem Band nur vage einer thematischen Ordnung unterworfen wurden, zeigt: Hier geht es nicht um Inhalte, sondern um Formen, um Oberflächen und Strukturen. Und den Versuch, in einer Welt der permanenten Reize den stillen Dingen ein Geheimnis zu entlocken. (Photo Technik International, Nr. 6/99). Feine Fotos Mlinertsch´s Bilder - Fotografie pur
Beispiele von einem Künstler,
der das viel genauere Sehen lehren kann
Die
Leistungen der Zivilisation sind großartig und überziehen weite Teile der
Welt, so dass die Regionen unberührter Natur immer kleiner werden. Dann aber
gibt es Momente - wie etwa schwere Erdbeben - und die menschlichen Kühnheiten
erscheinen gegenüber dem Wirken der Natur als nichtig. An Zusammenhänge dieser
Art erinnern die 87 Fotografien von Reinhart Mlineritsch aus den Jahren
1992-1998, die jetzt als ein großformatiges Buch der Edition Fotohof im Verlag
Otto Müller, Salzburg, unter dem Titel ,“Wie ein Fremder“ erschienen sind
(Ln., 95 Seiten, S 448,-). Mlineritschs Aufmerksamkeit richtet sich auf Naturphänomene,
die wir als eindrucksvoll bezeichnen, weil sie den Einfallsreichtum einer höheren
Macht zu belegen scheinen. Er kontrastiert sie mit fragwürdigen
Errungenschaften der Zivilisation, die meist in einem Zustand des Zerfalls
gezeigt werden. - Gerhard Amanshauser hat einen poetischen Text beigesteuert,
Margit Zuckriegl einen Kommentar zu Mlineritschs Arbeit. (Salzburger Nachrichten
25.9.1999). Salzburger Volkszeitung In der Edition Fotohof des Otto-Müller-Verlages erschien jüngst ein beeindruckender Bildband mit dem Titel „Wie ein Fremder". Der in Wien geborene, seit 1979 in Salzburg lebende Fotograf Reinhart Mlineritsch hat in diesem Band Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus den letzten zehn Jahren zusammengefasst, die in Österreich, Griechenland und den USA entstanden sind. Noch bis 24. Oktober sind die Fotografien außerdem in einer Sonderausstellung des Dr.Robert-Gerlich-Museums in Burghausen zu sehen. Glückliche Zeitgenossen können derzeit womöglich noch ihre Zehen in das von Mlineritsch abgebildete Wasser des griechischen Meeres bei ,,Lefki" (Bild) stecken. Neben den mythischen Bildern rund um Erscheinungsformen des Wassers zeigt Mlineritsch aber auch Pflanzenformen, Architektur oder Eingriffe des Menschen in die Natur unter dem Zyklus-Titel „Bodenschätze". (Salzburger Volkszeitung, 15.9.1999). Süddeutsche Zeitung Von Salzburg nach Colorado führt uns der junge Fotograf Reinhart Mlineritsch, in den Jahren 1992-1998, zwischen Natur (Ornament) und Gesellschaft (Staffage): hier eine Salzburger Version vom Leben als Versuchsanordnung. Wie ein Fremder heißt sein Foto-Buch, erschienen in der schönen Edition Fotohof des Otto Müller Verlages (Salzburg 1999, Texte von Gerhard Amanshauser, Margit Zuckriegl, 96 S.), wo alle unterkommen, vom Newcomer bis zum Star wie Inge Morath. (Süddeutsche Zeitung Nr. 192, 21.8.1999). Verfall mit Ausblick Die Fotografie, wie wenige Künste ein
Kind der Moderne, kann noch auf keine lange ikonographische Tradition zurückblicken.
Aus dem Geist des Dokumentationsbedürfnisses geboren, war ihre Aufgabe zunächst,
festzuhalten, was ist, besser noch: was wird, was im Begriff zu entstehen ist.
Nicht dem Krimkrieg, und Dokumentationen des historischen Stadtumbaus in Wien
und Paris, also Arbeiten aus den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts, zu den
Klassikern der Fotografie. Erst in diesem Jahrhundert begann sich bei Fotografen
die Bindung ans Zukünftige, Zukunftsverheißende zu lockern. Die ästhetische
Moderne in ihrer ganzen Vielfalt hielt Einzug. An zentraler Stelle die Ästhetik
des Hässlichen, die Ästhetik des Verfalls.
In
unvergleichlicher Weise hat sich in letzter Zeit der österreichische Fotograf
Reinhart Mlineritsch hervorgetan als jemand, der nun wiederum das Hässliche
unserer Städte und Industrieregionen zu poetisieren vermag. In der
nebenstehenden Aufnahme wird solchermaßen ein Betontunnel zur malerischen
Gewaltkulisse mit Ausblick. Wer mehr von Reinhart Mlineritsch sehen will,
ist gut beraten, sich seinen soeben erschienenen Bildband anzuschaffen. Verfall,
nicht beschönigt; aber verschönt. (Die Welt, 21.8.1999).
Der Blick aufs Äußere lässt
das Innerste der Welt hervortreten Ein gutes Foto
läßt an einen
Bergwerksstollen denken. Es öffnet dem Auge das Innere unserer Welt, legt
Schichten frei, die lange verborgen waren, und schürft nach Reichtümern, die
sich niemand auf den ersten Blick erträumt hätte. So arbeitet der österreichische
Fotograf Reinhart Mlineritsch auf seinem Bild von den Raupenspuren im Sand der
Insel lthaka. Die Kettenspuren sind als Ensemble von Gegensätzen lesbar:
Fragilität und Gewalt, Sandhaufen und Hochgebirge, Licht und Schatten, Mensch
und Natur. Das Bild ist Teil des Zyklus „Bodenschätze“, der in einem der
schönsten neueren Fotobände enthalten ist: „Wie ein Fremder“ versammelt
mehr als siebzig Arbeiten Mlineritschs aus den Jahren 1992 bis 1998. Entstanden
sind sie überwiegend im Salzburger Land, bisweilen auch auf griechischen Inseln
oder in Amerika. Doch Mlineritsch betreibt keine Reisefotografie. Sein
Felsprofil aus der Kitzlochklamm ist eine nahezu abstrakte Form, deren teeriges
Schwarz mit den gleißenden Lichtblitzen auf wundervolle Weise im Buch
reproduziert worden ist. Gleiches gilt für die in Schärfe, Kontrast und
Dreidimensionalität wie Rastermikroskopaufnahmen wirkenden Pflanzenfotografien.
Die Kunst der Lichtinszenierung ist auf diesen Bildern zur Vollendung gebracht:
Die unwirkliche Schönheit, die zerknüllte, verbrannte oder ausgespannte
Plastikfolien in Mlineritschs Aufnahmen entwickeln, versöhnt mit der
aseptisch-perfekten Kühle, die seinen Aufnahmen aus Colorado anhaftet. Diese
Motive haben durch Ansel Adams bereits einen so überzeugenden Dokumentaristen
gefunden, daß man einen abermaligen Versuch, zudem in Schwarzweiß, nicht mehr
als Gewinn empfindet. Doch in der unfaßbar filigranen Eisschicht auf dem
Wallersee, in den Schneewehen im Weißpriachtal, die Mlineritsch wie einen dünnen
Morgennebel fotografiert hat, oder dem Schattenraster über einer Zufahrt in
Oberalm entdeckt der Fotograf jeweils eine optische Bonanza. Diese Trouvaillen
leben vor allem durch den Kontrast, den der Übergang von einer Struktur auf
eine andere ergibt und Mlineritsch entdeckt sie mit solch sicherem Blick daß
man nur staunen kann über diesen Bergmann der Fotografie der seine Objekte mit
einer Delikatesse angeht, die eher an einen Archäologen denken läßt der
unmittelbar an der Fundstelle nur noch mit feinsten Instrumenten arbeiten darf.
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.8.1999).
Annäherung
an Österreichs Fotokunst
In
einer Doppelausstellung spannt das Dr.-Robert-Gerlich-Museum zwei gegensätzliche
österreichische Fotografen zusammen. Ab 15. August stellt das Haus der
Fotografie in Zusammenarbeit mit dem Salzburger Rupertinum Bilder von Franz
Hubmann und Reinhart Mlineritsch vor. Sonderausstellung von Franz Hubmann und Reinhart Mlineritsch im Fotomuseum eröffnet. ...Einen anderen Ansatz wählte dagegen Reinhart Mlineritsch: „Auf meinen Bildern sind kaum Menschen zu sehen, und wenn doch, dann bestimmt keine bekannten Persönlichkeiten“, sagt der Fotograf und beschreibt ruhig den Gegensatz zu (Franz) Hubmanns Aufnahmen. Mlineritschs Bilder zeigen oftmals eine Ästhetisierung ,der Wirklichkeit: Plastikmüll am Strand von Griechenland oder Stromkabel auf einer Baustelle werden auf seinen Fotografien so dargestellt, dass man sie als Kunstwerke betiteln könnte. Seine Umwelt und das, was der Mensch mit dieser Umwelt anstellt, sind seine Hauptthemen. Viele Nächte verbringt der Künstler in der Dunkelkammer und bearbeitet die Bilder nach seinen künstlerischen Vorstellungen. Mlineritsch: „Es soll immer ein Geheimnis in meinen Bildern bleiben. Was schwarz ist, kann in Wirklichkeit auch weiß sein.“ Die Veränderungen seiner Bilder erkennt der Betrachter oftmals erst auf den zweiten Blick und genau darin besteht die Kunst des Fotografen. Für diese wirklich sehenswerte Sonderausstellung hat das Haus der Fotografie zwei unterschiedliche Künstlercharaktere ausgesucht. Hier treffen sich Alt und Jung, laut und leise, Mensch und Umwelt zu einer spannenden Auseinandersetzung mit der Fotografie. (Burghauser Anzeiger, 17.8.1999). Der Blick von weither Wie ein Fremder lässt der aus Niederösterreich
gebürtige Fotograf Reinhart Mlineritsch seinen Blick auf Pflanzen, Architektur,
Wasser und vom Bergbau gezeichnete Landschaft ruhen. Scharfe, großformatige
Schwarzweiß-Fotos, eine wahre
Augenweide in den Überfluten des Technicolor, zeigen Plastikfetzen im
Wasser treibend, Kanalrohre, Autoreifen die aussehen wie das Auge eines
subterranen Ungeheuers, und nichts davon ist aufgesetzt trostlos, sondern
spannend... (Der Standard, 14.8.1999) |
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© Reinhart Mlineritsch |